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Mit Bedacht an die Macht

Michael Macht hat eine Bilderbuchkarriere made in Stuttgart hingelegt. Der ehemalige Maschinenbaustudent und Mitarbeiter des Fraunhofer-Instituts brachte es bis zum Porsche-Chef. Jetzt ist er im Vorstand von Volkswagen.

Es gibt Menschen, die meistens zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Menschen, die stets das Richtige tun. Michael Macht gehört wohl zu dieser seltenen Spezies. Ein Überflieger mit ausgeprägter Bodenhaftung. Das hat ihn an die Spitze der Porsche AG gebracht, deren Vorstandsvorsitzender Michael Macht ein Jahr lang war. Und in die Führungsetage von Volkswagen in Wolfsburg, wo der Manager seit Oktober 2010 als Konzernvorstand im Bereich Produktion für 62 Automobilwerke weltweit verantwortlich ist.

Es ist eine Bilderbuchkarriere, die Michael Macht hingelegt hat. Geboren am 28. August 1960 in der St. Anna Klinik in Bad Cannstatt machte er sein Abitur aber in Taunusstein bei Wiesbaden, wohin es die Familie aus beruflichen Gründen verschlagen hatte. Zum Studieren zog es Macht jedoch wieder zurück. Er schrieb sich an der Universität Stuttgart im Fach Maschinenbau ein und entschied sich damit bewusst für den Hochschulstandort Stuttgart, wie er betont, und gegen die Alternativen Darmstadt, Aachen und München, die auch zur Wahl gestanden hätten. „Die Wissenschaft ist hier gut vernetzt mit den weltweit bedeutenden Unternehmen, die es in der Region Stuttgart gibt“, sagt Macht. Was bedeutet: viele Dozenten aus der Praxis, ein großes Angebot an Praktikumsplätzen und die Möglichkeit, Forschungsprojekte in Firmen durchzuführen.

Wohin die Fahrt gehen soll, wusste Macht noch nicht, als er 1981 mit dem Studium begann. Die Liebe zum Automobil sollte erst später erwachen. Er legte sein Studium daher möglichst breit an, wollte sich alle Möglichkeiten offen halten. Schon damals zeigte sich dabei ein Wesenszug, der ihn bis heute begleitet und die Grundlage seines Erfolgs ist: Entscheidungen nicht aus dem Bauch heraus zu treffen, sondern die Dinge nüchtern zu analysieren und konsequent umzusetzen. „Ich bin ein Kopfmensch“, sagt Macht über Macht. Die entscheidende Frage, die der junge Student sich damals stellte, lautete: „Was wird am Markt gesucht?“ Um die Antwort zu finden, begann er schon früh nebenher am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in der Vaihinger Nobelstraße als Wissenschaftlicher Mitarbeiter, was sich hinterher als einer dieser Glücksmomente herausstellen sollte. Er begegnete dort Professor Hans-Jörg Bullinger, dem damaligen Institutsleiter und heutigen Präsidenten der Fraunhofer-Gesellschaft mit Sitz in München. Der bekannte Wissenschaftler, 2009 zum Manager der Jahres gewählt, erkannte schnell das Talent des angehenden Maschinenbauers und nahm sich seiner an. So lernte Macht das Innenleben etlicher Großunternehmen wie Bosch und Daimler kennen, für die er strategisch wichtige Projekte durchführte. „Eine spannende und lehrreiche Zeit“, sagt Macht, der heute noch einen guten Kontakt zu seinem damaligen Förderer unterhält.

Auch Wendelin Wiedeking gehörte gleichermaßen zu seinen „vielen Mentoren“. Der schillernde Porsche-Boss, zu dessen Nachfolger Macht im Juli 2009 gewählt wurde, nimmt dabei aber einen ganz besonderen Platz ein. Die Sportwagenschmiede aus Zuffenhausen hatte den Maschinenbauabsolventen eingestellt. Am 1. Januar 1990 begann dieser als Fachreferent für Motorenplanung. Auch Wiedeking erkannte die besondere Begabung Machts im Bereich Arbeitsorganisation und eröffnete diesem eines schönen Tages, dass er einen Assistenten braucht. „Koffer tragen will ich aber nicht“, gab
ihm der Gefragte keck zur Antwort. „Dafür brauche ich auch niemanden“, entgegnete Wiedeking.

Der Beginn einer echten Erfolgsgeschichte. Als Wiedeking kurze Zeit später den Vorstandsvorsitz von Porsche übernahm, blieb Macht sein Mann für alle Fälle. Die Aufgabe, die es zu lösen galt, war keine geringere, als das Unternehmen von Grund auf zu sanieren, die drohende Insolvenz abzuwenden. Den Schlüssel zum Erfolg sahen die Porsche-Manager Anfang der 90er Jahre auch in der so genannte
Kaizen-Methode, die Macht in Zuffenhausen einführen sollte. „Eine glückliche Fügung“, sagt er. Denn just in der Umsetzung der japanischen Arbeitsphilosophie, in deren Zentrum das Streben nach ständiger Verbesserung und schrittweiser Perfektionierung steht, konnte er auf hinlängliche Erfahrungen zurückgreifen. Er hatte bereits 1987 im Dienste des Fraunhofer-Instituts zusammen mit Professor Bullinger erste Reisen nach Japan unternommen, um in den fernöstlichen Fabriken die „schlanke Produktion“ zu studieren. Mit Wiedeking besuchte er später einige weitere Male die heiligen Hallen von Toyota, Mazda und Nissan, die in dem kleinen Autobauer aus dem Schwabenland keine ernsthafte Konkurrenz sahen.

Das änderte sich, nachdem Macht die schwäbische Kaizen-Variante ausgetüfftelt und in Zuffenhausen eingeführt hatte, den so genannten Porsche-Verbesserungsprozess. Dazu gehörte, die Fertigungstiefe radikal zu verringern, die aufwendige Lagerhaltung durch „Just-in-Time“-Fertigung zu ersetzen und sich zeitweilig auf ein Modell zu beschränken, den 911er. Binnen weniger Jahre stieg Porsche so vom Insolvenzkandidaten mit hoffnungslos ineffizienter Fertigung zum profitabelsten Automobilproduzenten weltweit auf. Ein Erfolg, aus dem sich eine weitere Geschäftsidee entwickelte. Unter der Führung von Macht wurde 1994 die Porsche Consulting GmbH gegründet, um die eingeführten Methoden gewinnbringend zu vermarkten. Der Umsatz der Bietigheimer Tochterfirma, zu deren Kunden auch Volkswagen und Daimler gehören, verzehnfachte sich schon in den ersten vier Jahren. „Wir haben damals mit fünf Experten begonnen, heute sind es 240 Mitarbeiter und Porsche Consulting gehört zu den zehn größten Unternehmensberatungen in Deutschland“, sagt Macht.

Wie es gelingen kann, bei all diesem Erfolg am Boden zu bleiben? Vielleicht am besten, in dem man abhebt! Michael Macht ist leidenschaftlicher Pilot. Er besitzt ein kleines Flugzeug, das in Pattonville
bei Ludwigsburg steht. „Man muss das Wetter lesen, sich auf die Route konzentrieren, das macht den Kopf frei“, sagt er. Wann immer es der Terminkalender des Topmanagers zulässt, holt er die Propellermaschine aus dem Hangar, um etwa Richtung Tirol zu fliegen, wo er ein Ferienhäuschen besitzt. Ehefrau Katrin, die selbst einen Pilotenschein hat, und die beiden Kinder sind fast immer mit an Bord.

Nachdem er im Herbst vergangenen Jahres von Porsche in die Konzernspitze zu Volkswagen gewechselt war, stellte sich dabei auch die Frage, ob die Familie mit nach Wolfsburg zieht. Auch bei dieser Entscheidung ließ Macht sich nicht voreilig von seinem Bauchgefühl leiten, das zum Umzug drängte. Stattdessen holte er den Rat von Vertrauten ein und wartete zunächst einmal ab. „Ich bin die meiste Zeit rund um den Globus unterwegs. Die Familie würde aus ihrem Umfeld herausgerissen, und hätte dennoch nicht besonders viel von mir“, sagt Macht, der nun lieber pendelt zwischen Wolfsburg und Füssen. Klar ist aber auch, dass perspektivisch die Konzernzentrale der Lebensmittelpunkt wird.

Das Arbeitspensum ist hoch in den Regionen, in denen sich Michael Macht bewegt. Doch der Mustermanager ist gut trainiert. Er hat sein Leben lang Sport getrieben, Tennis gespielt, Fußball,
Handball und Basketball. Zwischenzeitlich hat er umgesattelt, fährt leidenschaftlich Mountainbike oder zieht sich die Laufschuhe an, um abzuschalten und wieder aufzutanken. Es ist die jeweilige Aufgabe, die den drahtigen Schwaben antreibt. Und das Wissen darum, dass das Schicksal Engagement und harte Arbeit belohnt. „Das muss ich zurückgeben“, sagt er. Im Volkswagen Konzern trägt Michael Macht nun maßgebliche Verantwortung für ein Unternehmen, das er mit seiner „Mehrmarkenstrategie“ für das derzeit am besten aufgestellte in der Automobilbranche hält. Nun liegt es auch an
ihm, den Konzern in die Zukunft zu führen, den Effizienzvorsprung weiter auszubauen, neue Märkte zu gewinnen, etwa in Asien oder in Nordamerika. Das Glück, so scheint es, ist dabei weiter sein treuer
Begleiter. „Volkswagen ist derzeit absolut auf der Überholspur“, sagt Macht. Er ist wohl wieder zur richtigen Zeit am richtigen Ort.