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Die Stimme der Steelers

Denise Entenmann hat sich einer Sportart verschrieben, in der es hart zur Sache geht: Die Absolventin der Macromedia Hochschule ist Pressesprecherin eines Eishockeyvereins.

Die Autostadt Detroit hat schon bessere Tage erlebt. Um einen unkontrollierten Bankrott zu verhindern, musste die hoch verschuldete Metropole im Südosten des US-Bundesstaates Michigan jüngst Insolvenz anmelden. Das Geld reicht nicht einmal mehr, um die Müllabfuhr und die Straßenbeleuchtung zu bezahlen. Grund für den gigantischen Schuldenberg Detroits ist der rasante Niedergang der Automobilindustrie, einst Antrieb und Treibstoff der Stadt, die wegen ihrer Bedeutung für die Branche mit Weltfirmen wie General Motors, Ford und Chrysler stolz Motor City genannt wurde. Ein anderer Spitzname Detroits lautet Hockeytown, getragen wiederum von der elektrisierenden und grenzenlosen Begeisterung seiner Einwohner für eine Sportart, die auch Denise Entenmann bis zum heutigen Tag in ihren Bann zieht.

Wer die 29-jährige Medienmanagerin nicht kennt, würde sie auf den ersten Blick eher im Ballett vermuten als in einer Männerdomäne, in der es ziemlich hart zur Sache geht und auch die Sprechchöre der Fans oft nichts für zart besaitete Gemüter sind. Ausgerechnet Eishockey. Wer der jungen Frau allerdings so kommt, ob Freundin, Schwester, Mutter oder Bekannter, den lädt sie gerne mal zu sich ins Ellental nach Bietigheim-Bissingen ein, in die nagelneue Halle der Steelers, dem Eishockey-Zweitligisten, dessen Pressesprecherin Denise Entenmann seit Januar 2013 ist. „Um sich für Eishockey zu begeistern, muss man es einmal live erlebt haben“, sagt sie. Sie selbst hat das Kufenspektakel zwischenzeitlich unzählige Male auf sich wirken lassen, fast überall in Deutschland und auch in den USA, wo die Sportart einen ganz anderen Stellenwert hat als hierzulande. „Die Begeisterung dort ist grenzenlos“, sagt Denise Entenmann, die an der Stuttgarter Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation studiert und sich dabei schon früh für einen eher ungewöhnlichen Weg entschieden hat.

Schuld daran ist gewissermaßen ihr Dad, der lange Zeit in den USA gelebt hat. Bei einem Besuch in Detroit im Sommer 2008 landete die damals 24-jährige Studentin eines schönen Tages in einer Bar, in der alle wie gebannt auf die Bildschirme an den Wänden starrten und eine „wahnsinnige Stimmung“ verbreiteten. Befeuert wurde die Begeisterung von einem Spiel auf Eis, genauer von den Detroit Red Wings, die damals in den Playoffs der National Hockey League (NHL) eine gewichtige Rolle im Kampf um den Stanley-Cup spielten, der wichtigsten Eishockeytrophäe der Welt. Auf Anhieb von der Atmosphäre im Lokal und dem Geschehen auf der Eisfläche fasziniert, verpasste die sportbegeisterte Besucherin aus Deutschland den ganzen Sommer über kein Spiel der amerikanischen Play- Off-Runde mehr. „Es hatte mich gepackt“, sagt sie. Und nicht mehr los gelassen. Ein Jahr später, im Oktober 2009, packte Denise Entenmann erneut ihre Koffer, um abzuheben in Richtung Detroit, diesmal allerdings in höchst offizieller Mission. Mit Hilfe eines Nachbarn aus dem schwäbischen Strümpfelbach, der einen ehemaligen Spieler der Red Wings kannte und ihr eine E-Mail-Adresse besorgt hatte, war es der Studentin der Macromedia Hochschule gelungen, ein halbjähriges Praktikum bei dem amerikanischen Eishockeyverein zu bekommen. Jenem berühmten NHLClub, vergleichbar mit dem FC Bayern München im Fußball, der bereits elf Mal den Stanley-Cup gewonnen hat. „Eine wahnsinnige Zeit“, sagt sie heute.

An den vielen Spieltagen war die Deutsche für die Betreuung der amerikanischen Medienvertreter zuständig, die alles wissen wollen über die hochbezahlten Stars auf dem Eis. Und unter der Woche machte sie „Community-Arbeit“ und besuchte beispielsweise ein Kinderkrankenhaus mit dem populären Team, für das einst auch der deutsche Eishockeyspieler und spätere Nationaltrainer Uwe Krupp seine Schlittschuhe schnürte. Unvergessen ist ihr dabei die Stimmung bei den Heimspielen geblieben, wenn 20 000 Zuschauer in der ausverkauften Joe-Louis- Arena zur Begrüßung der Mannschaft den Journey-Hit „Don‘t stop Believin“ sangen, die inoffizielle Vereinshymne. Gänsehaut pur. „Diesen Enthusiasmus wünsche ich mir auch für das deutsche Eishockey“, sagt sie.

Ein frommer Wunsch. Wie weit der Weg zu amerikanischen Verhältnissen in Wahrheit noch ist, hat Denise Entenmann zum Abschluss ihres Studiums selbst in ihrer Bachelor Thesis wissenschaftlich untersucht, einer empirischen Imageanalyse, die ihr eine glatte 1,0 eingebracht hat. „Der Stellenwert von Profi-Eishockey in Deutschland lässt noch einiges zu wünschen übrig“, weiß die Medienmanagerin. Im Schatten des übermächtigen Königs Fußball tut sich die Sportart mit ihren vielen und oft langen Spielen in der Saison einigermaßen schwer, Fernsehsender für Übertragungen und Sponsoren zur Vermarktung zu finden. Und es fehlt an internationalen Erfolgen und Identifikationsfiguren mit der Zugkraft eines Boris Becker, der einst Tennis in kürzester Zeit vom Nischendasein zur populärsten Sportart nach Fußball führte. Immerhin ist es der Deutschen Eishockey Liga in der vergangenen Saison gelungen, mit dem Sender Servus TV einen Medienpartner zu finden, der die Spiele live überträgt. Doch bei den reichweitenstarken Sendern wie ARD, ZDF, RTL oder Sat 1, die mangelndes Interesse bei den Zuschauern fürchten, fehlt es nach wie vor deutlich an medialer Präsenz. So wurden vergangenes Jahr etwa in der ARD von mehr als 675 Stunden Sport gerade einmal 18 Stunden Eishockey gezeigt. „Da wartet noch viel Arbeit auf uns“, sagt die Medienfrau.

Aber Arbeit ist sie gewohnt. Als Pressesprecherin der Steelers fährt Denise Entenmann meist auch zu den Auswärtsspielen des Teams mit, an manchen Wochenenden kommt sie so auf fünf Spiele in drei Tagen. Langweilig wird ihr dabei nie, wie sie sagt: „Ich schaue die Spiele immer noch so gern wie am Anfang.“ Warum die Spieler „ständig so lustig durchwechseln“, fragt sie sich dabei längst nicht mehr. Und auch der Rest des komplizierten Regelwerks ist kein Mysterium mehr für sie. Zu ihrer Arbeit gehört unter anderem auch, die Homepage der Steelers mit aktuellen Inhalten zu bestücken, kurze Filme zu drehen und Auftritte der Spieler außerhalb des Stadions zu organisieren, wie neulich auf dem Bietigheimer Pferdemarkt. „Die Nachfrage und der Rummel sind groß.“

Geboren ist Denise Entenmann in Schwäbisch Gmünd, in Schorndorf, wo sie heute noch wohnt, ging sie zur Schule. Durch und durch sportbegeistert ist sie schon immer gewesen. Sie hat im Verein getanzt, mit drei Jahren das Skifahren gelernt und tatsächlich einmal Ballettstunden gehabt. Im Studium hatte sie zunächst den Bereich Eventmarketing vertieft, um später große Veranstaltungen zu organisieren. Sie habe aber schnell ihre eigentliche Liebe erkannt und sei zu Sportmanagement umgeschwenkt, erzählt sie. Nach ihrem Abschluss führte sie zunächst ein weiteres Praktikum zum Deutschen Eishockey-Bund nach München, ihr Chef dort war die Eishockey-Legende Franz Reindl. Unter seiner Führung durfte die „Praktikantin“ unter anderem in verantwortlicher Position die U 20-Weltmeisterschaften im Jahr 2012 in Garmisch-Patenkirchen organisieren, zuständig von der Hotelauswahl bis hin zur Betreuung der Volunteers. „Das war mein Baby“, sagt sie.

Seit Anfang des Jahres schlägt ihr „Herz aus Eis“ nun für die Steelers, deren Ruf nach Bietigheim sie nur zu gerne folgte. Zuvor hatte sie für eine Saison bei den Hannover Scorpions in der DEL angeheuert und dort die gesamte Pressearbeit gemacht, ein Job fern der schwäbischen Heimat und ohne Zukunft. 2010 noch Deutscher Meister, spielt das Team zwischenzeitlich in der Oberliga Nord, weil es aus finanziellen Gründen die Lizenz zurückgeben musste. „Die Entscheidung zu gehen, war goldrichtig“, sagt Denise Entenmann. Schon deshalb, weil es an neuer Wirkungsstätte derzeit kaum an guter Stimmung und Zuschauerzuspruch mangelt - eine Frage des Erfolgs. Und davon konnte die Pressefrau zuletzt reichlich berichten. Die Steelers haben die abgelaufene Spielzeit nicht nur als viel umjubelter Meister abgeschlossen, sondern noch dazu zum zweiten Mal den DEB-Pokal gewonnen und damit das Double perfekt gemacht. Obendrein hat das Team zur Einweihung der neuen Ege Trans Arena am 21. Dezember 2012 auch noch das Derby gegen die Heilbronner Falken gewonnen, dem emotionalen Höhepunkt einer jeden Saison, bei dem die neue Eishalle bis auf den allerletzten der 4517 Plätze ausverkauft war. „Ein unbeschreiblicher Moment“, sagt Denise Entenmann, die Stimme der Steelers.